Apr 20

Auf der Suche nach außerirdischem Leben

von Tanja Morschhäuser

Screenshot der SETI-Software BOINCMenschen, die an Außerirdische glauben, werden meist als Spinner abgetan. Das Forschungsprojekt SETI@home der Universität Berkeley ist jedoch ein ernsthaftes Unterfangen, außerirdisches Leben zu finden. Seit neun Jahren läuft das wissenschaftliche Experiment, das weltweit auf tausende Teilnehmer und Rechner zugreifen kann, um Radiodaten auf der Suche nach außerirdischen Signalen auszuwerten.

Teilnehmen kann jeder PC-Besitzer

Die Abkürzung SETI steht für „Search for Extraterrestrial Intelligence“, „@home“ bedeutet, dass jeder von zu Hause aus an dem Projekt teilnehmen kann. Alles, was die Teilnehmer dazu benötigen, ist ein Computer mit Internetzugang. Auf diesem Rechner wird die Software „BOINC“ installiert. Über das Internet wird BOINC mit Daten versorgt, die analysiert werden sollen. Diese Daten sind Radiosignale, die ursprünglich vom Arecibo-Radioteleskop in Puerto Rico empfangen wurden. Sie werden von der Universität Berkeley in kleinen Arbeitseinheiten an die Rechner der Teilnehmer geschickt, wo sie von BOINC untersucht werden. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf Signale gelegt, die bestimmte Eigenschaften erfüllen: Sie müssen lauter als die Hintergrundgeräusche sein und innerhalb von zwölf Sekunden an- und wieder abschwellen. So können Signale irdischen Ursprungs, astronomische Objekte und Satelliten als Ursache ausgeschlossen werden. Übrig bleiben – zumindest in der Theorie – Signale von Außerirdischen.

Die Chancen sind minimal – trotzdem machen viele mit

Die Möglichkeit, an einem internationalen Forschungsprojekt mitzuwirken, das Außerirdische sucht, ist wohl einzigartig. Dass man dabei nicht einmal von seinem Schreibtisch aufstehen muss und auch lange und kalte Nächte im Freien nicht notwendig sind, sind große Vorteile des Projekts. Obwohl die Chancen, jemals ein Signal von außerirdischen Lebewesen zu finden, minimal sind, beteiligen sich derzeit fast 800.000 Teilnehmer weltweit an der Suche nach Radiosignalen aus fremden Welten. „Ich glaube schon, dass es solche Signale gibt, wir müssen sie nur finden“, sagt Andreas Brückel vom Team SETI.Germany. „Es wäre einfach eine grandiose Platzverschwendung, wenn die Erde der einzige bewohnte Planet im All wäre.“ Ähnlich sieht das sein Teamkollege Bernhard Bachmann: „Ich mache bei SETI@home mit, weil es für mich nicht die Frage ist, ob extraterrestrisches Leben existiert, sondern ob wir es finden.“

Keine Außerirdische – aber ein großer Erfolg

Außerirdische hat SETI@home bisher nicht aufgespürt – und trotzdem einen großen Erfolg errungen: SETI@home war das erste Großprojekt, das die Technik des „verteilten Rechnens“ („distributed computing“) erfolgreich angewendet hat. Dabei wird eine große Rechenlast auf viele Computer verteilt – genau das ist die Grundlage von BOINC, der Software die hinter SETI@home steckt: Sie organisiert die Verteilung der Arbeitspakete unter den Teilnehmern.

Mittlerweile gibt es weitere Forschungsprojekte, die BOINC als Plattform nutzen. Rosetta@home erforscht beispielsweise neue Proteine, die Krankheiten wie HIV, Krebs und Malaria bekämpfen könnten. Außerdem gibt es Klimaprojekte oder Projekte, die komplexe mathematische Probleme lösen wollen. Aber: „SETI ist immer noch das Prestige-Projekt innerhalb der BOINC-Plattform“, sagt Andreas Brückel, der selbst seit 2002 dabei ist. „Die meisten steigen mit diesem Projekt in unsere Welt ein.“

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2 Kommentare

anja
21. April 2008

Ach das ist es also, was ich immer versehentlich als deinen Bildschirmschoner auf deinem Rechner verstanden habe ;)

Tanja Morschhäuser
21. April 2008

SETI@home kann man auch als Bildschirmschoner laufen lassen, von daher hattest du schon Recht ;-)

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